Fragebogen Basteln

Karin Dickel-Jonasch

Von ihrem Bruder hat Karin Dickel-Jonasch vor vielen Jahren einen Scherenschnitt aus China geschenkt bekommen. Dieses filigrane Kunstwerk hat sie so beeindruckt, dass sie es gleich selber ausprobieren wollte. Dank ihrem kreativen Talent und ihrer Ausbildung in Kunst hat es auch gleich gut geklappt. Heute ist Karin Dickel-Jonasch dem Scherenschnitt-Fieber verfallen und präsentiert ihre Werke einer breiteren Öffentlichkeit auf ihrer Website. Im Interview erzählt sie uns, von wo sie ihre Inspiration nimmt, welche Materialien sie benutzt und gibt uns Tipps, um wunderschöne Scherenschnitte selber zu machen. 

BastelDichBlue: Wann hast du begonnen, Scherenschnitte zu machen?

Karin Dickel-Jonasch: Vor vielen Jahren schenkte mir mein Bruder einige dieser wunderschönen und filigranen Scherenschnitte aus China. Sie gefielen mir so gut, dass ich sogleich beschloss, selbst einmal solche Bilder zu erschaffen. Da ich Künstlerin bin (ich habe Kunst/visuelle Kommunikation studiert) und mir die Natur zeichnerisches Talent geschenkt hat, fiel mir dies nicht schwer und bald waren meine ersten eigenen Scherenschnitte entstanden. Nach und nach wurden sie immer größer und komplizierter. Scherenschnitte mache ich nun seit ungefähr 20 Jahren. Beim Scherenschnitt gefällt mir der Schwarz-Weiß-Kontrast, der meiner Meinung nach die Fantasie viel mehr beflügelt als ein farbiges Bild.

BdB: Woher nimmst du deine Inspiration?
KDJ: In erster Linie ist es meine zum Glück überreiche Fantasie, die mich zu meinen Bildern inspiriert. Aber auch Fabelwesen aus der Anderwelt und Wesen aus Märchen und Mythen, allerlei Tiere und Pflanzen sind meine liebsten Motive. So erzählen meine inzwischen schon sehr zahlreichen Scherenschnitte Geschichten aus dieser und anderen Welten. Beim Entwerfen und Schneiden meiner Bilder bin ich eben ganz einfach in einer anderen Welt und zumeist kommt es mir so vor, als würde mir irgendjemand sagen und zeigen, wie das Bild werden soll. Oft inspirieren mich meine Scherenschnittbilder auch zum Schreiben eines Märchens.

BdB: Welche Materialien und Werkzeuge benutzt du?

KDJ: 1. Scherenschnittpapier: Meist gibt es nur gummiertes Scherenschnittpapier zu kaufen. Es ist von der einen Seite Schwarz und von der anderen Seite Weiß. Auf der weißen Seite des Scherenschnittpapiers befindet sich eine Schicht getrockneter Klebstoff. Ich bevorzuge das Papier, das noch eine Schicht Talkum auf dem Klebstoff hat, da es nicht so klebrig ist und man so besser darauf vorzeichnen kann.

2. Bleistift: Den benötigt man zum Vorzeichnen des Motivs auf der Rückseite des Papiers. Sollte es nicht gleich gelingen, kann man es auch gut wegradieren und korrigieren.

3. Schere: Zum Schneiden verwendet man eine Schere, mit der man gut schneiden kann. Ganz kleine Kinder sollten einfache Bastelscheren verwenden. Ansonsten sind feine Stickscheren, spitze Nagel- oder Hautscheren geeignet. Für Fortgeschrittene und Könner empfehle ich spezielle, leider zumeist sehr teure, Scherenschnitt- oder Silhouttenscheren, die man in Messer- und Scherenfachgeschäften bekommen kann.

Wer, so wie ich das häufig in meinen Bildern mache, noch sog. Binnenschnitte einfügen möchte, um das Bild plastischer und somit lebendiger wirken zu lassen, benötigt noch eine Gummimatte und ein Grafikmesser (im Künstlerfachhandel erhältlich). Anfangs genügt auch eine starke Pappe als Unterlage und ein scharfes Cuttermesser.

Tipp: Um zu sehen, ob dir der Scherenschnitt überhaupt liegt, kannst du für den Anfang auch ein ganz normales weißes Blatt Papier zum Ausprobieren nehmen. Außerdem kann dies auch sehr dekorativ aussehen, wenn man den fertigen Schnitt auf einen farbigen Hintergrund klebt.Einige Scherenschnittkünstler bevorzugen diesen sog. Weißschnitt. Siehe dazu auch die wunderbaren Weißscherenschnitte von Philip Otto Runge.


BdB: Woher beziehst du deine Materialien?

KDJ: Meine Arbeitsmaterialien beziehe ich vorwiegend über den Künstlerbedarfsfachhandel. Da das Papier nur schwer im Fachhandel zu erhalten ist, bestelle ich es mir im Internet (z.B. bei Labbe oder Gerstaecker). Dort bekommt man die großen Bögen(35 x 50), die recht preisgünstig sind und die man sich auch entsprechend zuschneiden kann. Ab und zu findet man aber auch in gut sortierten Künstlerbedarfs- oder Bastelläden Scherenschnittpapier. Meistens bekommt man dort aber nur die kleinformatigen Blöcke zu kaufen.


BdB: Wieviel Zeit nimmt so ein Scherenschnitt in Anspruch?

KDJ: Dabei kommt es ganz auf die Größe des Bildes und das Motiv an. Kleinere, einfachere Motive gehen kann man in etwa 1-2 Stunden fertig stellen. Bei Anfängern kann es vielleicht ein wenig länger dauern. Für den Anfang würde ich beispielsweise einen Faltscherenschnitt und/oder kleine und möglichst einfache Motive vorschlagen. Da meine Bilder zumeist recht großformatig (ca. 3 5 x 50 cm) sind, dauert es schon eine Weile, bis ein Scherenschnittbild fertig ist. Manchmal arbeite ich an großen Bildern etwa 3 - 4 Wochen. Ein Bild in Din A 4-Format braucht durchschnittlich 1-2 Tage. Dabei nimmt natürlich auch die Skizze einige Zeit in Anspruch.Das ist aber auch wichtig, damit das Bild gut wird.


BdB: Hast du ein Lieblingsmotiv, dass du immer wieder anfertigst oder sind deine Scherenschnitte Einzelstücke?

KDJ: Meist sind meine Bilder Einzelstücke. Aber es gibt durchaus auch einige Motive, die ich öfters anfertigen muss bzw. möchte. Zum Beispiel einige meiner Elfen-,Katzen-, Drachen- oder Grimmmärchenmotive habe ich schon ab und zu nachgearbeitet. Aber sie werden immer etwas abgeändert.


BdB: Kannst du uns einige Tipps geben, wenn wir es selber mal probieren möchten?

KDJ: Einfache Scherenschnitte haben wir vermutlich alle schon irgendwann einmal im Kindergarten oder in der Schule gemacht und wissen so schon ungefähr, wie es geht. Es gibt verschiedene Techniken, ein Scherenschnittbild herzustellen, wie z.B. die klassische Silhouette oder den Faltschnitt. Wer sich nun aber intensiver mit dieser schönen, alten Kunst, die übrigens inzwischen wieder sehr viele Liebhaber hat, beschäftigen möchte und wieder einmal ausprobieren möchte, benötigt dazu folgendes:

Material: Siehe oben unter Materialien und Werkzeuge.

Nachdem du dir dies alles besorgt und bereit gelegt hast, geht es an die Arbeit, die ich nun hier Schritt für Schritt aufzeige:

1. Vorzeichnung: Für den Anfang sucht man sich ein einfaches Motiv aus, wie z.B. die einfachen Umrisse einer Pflanze oder eines Tieres. Dieses Bild zeichnet man nun auf die Rückseite (weiße Seite) des Scherenschnittpapiers auf. Man muss dabei immer beachten, dass es seitenverkehrt ist. Zur Kontrolle kann man das Bild in einem großen Spiegel betrachten. Wenn es dann immer noch gut aussieht, dann kann man mit dem Ausschneiden beginnen.

2. Schneiden: Die Schnittbewegung führt man mit der rechten Hand aus und mit der linken dreht man nur das Papier. Für Linkshänder gibt es auch spezielle Linkshändersilhouttenscheren. Dann wird eben einfach alles umgekehrt gemacht. Bevor man das eigentliche Motiv ausschneidet, sollte man um den Schnitt grob das überflüssige Papier wegschneiden. So schneidet es sich leichter. Wichtig ist auch, dass man beim Schneiden gerade sitzt und nicht zu lange schneidet, denn sonst kann man Rückenschmerzen bekommen.

3. Kleben: Zum Aufkleben des Scherenschnittes nimmt man ein weißes Blatt Papier (am besten säurefreies und alterungsbeständiges, damit das Bild auch nach einigen Jahren noch gut ausschaut), Transparent- oder Büttenpapier. Das Blatt Papier sollte etwa doppelt so groß sein wie der Scherenschnitt. Dann legt man den Scherenschnitt auf das Papier. Jetzt taucht man einen sauberen Pinsel in Wasser und streicht den großen Wassertropfen ab. Nun kann man den Scherenschnitt von hinten an der weißen Fläche mit dem nassen Pinsel an nur einer Stelle befeuchten. Dann drückt man den Scherenschnitt, bis er festklebt, an der gewünschten Stelle an. So kann man Punkt für Punkt den Scherenschnitt auf das Papier kleben. Wenn mal ein wenig Wasser daneben tropft, tupft man es schnell und vorsichtig mit einem Papiertuch ab. Nicht wischen!

Nun kann man das Bild rahmen, aufhängen und sich am eigenen kleinen Kunstwerk erfreuen.

Tipp: Ich klebe bei größeren Bildern den fertigen Schnitt nur an einigen wichtigen Punkten an, so dass er im Rahmen noch etwas an Tiefe bekommt.

 

BdB: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

Das Interview führte Meike Heringslack

 

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